Was ist eine Prüfplatte aus Naturhartgestein?
Prüfplatten aus Naturhartgestein, häufig auch als Granit-Messplatten oder Präzisionsmessplatten bezeichnet, sind unverzichtbare Bezugsflächen in der industriellen Messtechnik, im Maschinenbau, in der Qualitätssicherung sowie in Kalibrier- und Prüflaboren.
Aufgrund ihrer hervorragenden Materialeigenschaften – hoher Härte, geringer Wärmeausdehnung, Korrosionsbeständigkeit und ausgezeichneter Formstabilität – eignen sie sich ideal als hochgenaue Referenzfläche für Mess- und Prüfvorgänge, beispielsweise für Messungen mit dem Höhenmessschieber.
Warum müssen Hartgesteinsplatten kalibriert werden?
Auch wenn Granit zu den härtesten natürlichen Werkstoffen zählt, verändern sich Messplatten im Laufe ihrer Nutzung. Ursachen hierfür sind unter anderem:
- mechanischer Verschleiß durch häufiges Aufsetzen schwerer Werkstücke
- punktuelle Belastungen
- unsachgemäße Reinigung
- Stoß- oder Transportschäden
- Veränderungen der Aufstellung oder Lagerung
- langfristige Materialspannungen
Bereits geringe Ebenheitsabweichungen können sich auf alle darauf durchgeführten Messungen übertragen und zu fehlerhaften Ergebnissen führen. Die Folgen können erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben: fehlerhafte Qualitätsnachweise, Ausschuss und Nacharbeit, Reklamationen, ungenaue Kalibrierungen anderer Messmittel sowie Produktionsstillstände oder erhöhte Prüfkosten.
Wie wird eine Hartgesteinsplatte kalibriert?
Vor Beginn der Kalibrierung wird die Messplatte gründlich gereinigt und auf Beschädigungen wie Kratzer, Schlagstellen oder Ausbrüche untersucht. Zur Bestimmung der Ebenheit kommt ein hochpräziser Laserinterferometer zum Einsatz.
Während der Messung wird die Oberfläche in einem festgelegten Messraster systematisch vermessen. Aus den einzelnen Messpunkten wird anschließend die tatsächliche Ebenheit der gesamten Messfläche berechnet. Dabei werden sowohl lokale Unebenheiten als auch die Gesamtform der Platte bewertet.
Die eingesetzten Messgeräte müssen ihrerseits regelmäßig kalibriert und auf nationale Normale rückführbar sein. Dadurch entsteht eine lückenlose metrologische Rückführbarkeitskette bis zu den nationalen Metrologieinstituten. Diese Rückführbarkeit ist eine grundlegende Voraussetzung für normgerechte Messungen und wird in Qualitätsmanagementsystemen häufig gefordert.
Eine regelmäßige Kalibrierung ermöglicht es, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls durch ein fachgerechtes Nachläppen oder eine Instandsetzung zu beheben.
Welche Genauigkeitsklassen gibt es?
Die wichtigste Norm für Messplatten aus Hartgestein ist die DIN 876-1. Sie legt unter anderem fest:
- Anforderungen an Material und Ausführung von Messplatten aus Hartgestein
- Genauigkeitsklassen der Messplatten
- zulässige Ebenheitsabweichungen
- Messverfahren zur Bestimmung der Ebenheit
- Anforderungen an die Kennzeichnung der Messplatte
Die Norm definiert die Genauigkeitsklassen Grad 00, 0, 1 und 2, deren zulässige Ebenheitsabweichungen von der Plattengröße abhängen. Je höher die Genauigkeitsklasse, desto geringer sind die zulässigen Formabweichungen.
Wie oft muss eine Hartgesteinsplatte kalibriert werden?
Ein gesetzlich vorgeschriebenes Kalibrierintervall existiert nicht. Die Kalibrierintervalle sollten entsprechend der Beanspruchung, den Umgebungsbedingungen sowie den Vorgaben des jeweiligen Qualitätsmanagementsystems festgelegt werden.
In der industriellen Praxis hat sich ein Kalibrierintervall von zwölf Monaten bewährt. Bei intensiv genutzten Messplatten oder in hochpräzisen Messräumen können jedoch halbjährliche Überprüfungen erforderlich sein.
Nach welchen Normen wird kalibriert?
Die Kalibrierung von Prüfplatten aus Naturhartgestein erfolgt nach anerkannten Normen und Richtlinien. Zu den wichtigsten gehören:
- DIN 876-1: legt die Anforderungen an Präzisionsprüfplatten aus Naturhartgestein fest, einschließlich Genauigkeitsklassen und zulässiger Ebenheitsabweichungen.
- DIN EN ISO/IEC 17025: legt die Anforderungen an die Kompetenz von Kalibrierlaboratorien fest. Akkreditierte Kalibrierlabore führen Kalibrierungen nach dieser Norm durch und gewährleisten eine metrologische Rückführbarkeit sowie dokumentierte Messunsicherheiten.