Was ist ein Höhenmessschieber?
Ein Höhenmessschieber ist ein hochpräzises Längenmessgerät zur Bestimmung von Höhenmaßen, Stufenhöhen, Tiefen sowie zur Anreiß- und Messkontrolle von Werkstücken. Er wird überwiegend auf einer ebenen Referenzfläche eingesetzt, beispielsweise einer Granit-Messplatte, und gehört zur Grundausstattung in der Fertigungsmesstechnik, Qualitätssicherung und im Werkzeugbau.
Ein Höhenmessschieber besteht im Wesentlichen aus einer massiven Grundplatte, einer senkrechten Führungssäule mit Maßstab sowie einem verschiebbaren Schlitten, der mit einem Mess- oder Anreißeinsatz ausgestattet ist. Je nach Ausführung erfolgt die Ablesung analog über einen Nonius oder digital über ein elektronisches Messsystem. Hochwertige Geräte verfügen zusätzlich über Feinverstellungen und konstante Messkraft, um reproduzierbare Messergebnisse zu erzielen.
Typische Einsatzgebiete sind der Maschinen- und Anlagenbau, der Werkzeug- und Formenbau, die Automobilindustrie, die Luft- und Raumfahrttechnik, die Medizintechnik, die Qualitätskontrolle sowie die Wareneingangs- und Fertigungsprüfung.
Warum müssen Höhenmessschieber kalibriert werden?
Höhenmessschieber gehören zu den Präzisionsmessmitteln, deren Messergebnisse unmittelbar die Qualität von Bauteilen beeinflussen. Bereits geringe Messabweichungen können zu fehlerhaften Fertigungsmaßen, Ausschuss oder Reklamationen führen.
Während des täglichen Einsatzes wirken verschiedene Einflüsse auf das Messgerät:
- mechanischer Verschleiß der Führungen
- Abnutzung der Messflächen
- Spiel im Führungssystem
- Stoß- oder Fallschäden
- Verschmutzungen und Korrosion
- Temperaturschwankungen
- Alterung elektronischer Komponenten bei Digitalgeräten
Durch die Kalibrierung wird festgestellt, ob das Gerät noch innerhalb der zulässigen Messabweichungen arbeitet. Gleichzeitig können Beschädigungen oder Funktionsmängel frühzeitig erkannt werden. Eine regelmäßige Kalibrierung stellt sicher, dass Messergebnisse reproduzierbar, nachvollziehbar und messtechnisch rückführbar bleiben.
Wie erfolgt die Kalibrierung eines Höhenmessschiebers?
Die Kalibrierung erfolgt unter definierten klimatischen Bedingungen. In der Längenmesstechnik gilt gemäß internationalen Normen eine Bezugstemperatur von 20 °C, da sich metallische Werkstoffe temperaturabhängig ausdehnen. Vor Beginn der Messungen wird der Höhenmessschieber gereinigt und einer Sichtprüfung unterzogen.
Die Sichtprüfung umfasst den allgemeinen Zustand, Beschädigungen, Korrosion, die Lesbarkeit der Skala, die Funktion der Klemm- und Feinverstellung sowie den Zustand der Messspitze.
Bei der messtechnischen Prüfung werden kontrolliert:
- Nullpunkt
- Messabweichung über den gesamten Messbereich
- Wiederholbarkeit
- Parallelität und Rechtwinkligkeit der Messflächen
- Führungsgenauigkeit
- Funktion der Feinverstellung
- Messkraft (bei bestimmten Bauarten)
Die Messung erfolgt üblicherweise mit hochpräzisen Referenznormalen wie Endmaßen und Stufenendmaßen. Alle eingesetzten Referenzmessmittel müssen ihrerseits regelmäßig kalibriert sein und auf nationale Normale rückgeführt werden.
Nach welchen Normen wird ein Höhenmessschieber kalibriert?
Anders als bei Messschiebern existiert für Höhenmessschieber keine eigenständige DIN-Produktnorm, die deren Bauart und zulässige Messabweichungen umfassend regelt. Daher orientiert man sich an den Herstellerspezifikationen, den allgemeinen Regeln der Längenmesstechnik sowie an den Anforderungen der DIN EN ISO/IEC 17025.