Was ist eine Tiefenmessschraube?
Tiefenmessschrauben sind hochpräzise Längenmessgeräte zur Bestimmung von Tiefen, Stufen, Nuten, Bohrungen und Absätzen. Sie bestehen aus einem Auflagefuß und einer fein verstellbaren Messspindel, mit der Tiefenmaße präzise erfasst werden können.
Aufgrund ihrer hohen Messgenauigkeit werden Tiefenmessschrauben vor allem in der Fertigungsmesstechnik, im Maschinenbau, in der Qualitätssicherung sowie im Werkzeug- und Formenbau eingesetzt.
Warum müssen Tiefenmessschrauben kalibriert werden?
Eine regelmäßige Kalibrierung ist erforderlich, da sich Tiefenmessschrauben durch Verschleiß der Messspindel, Abnutzung der Auflageflächen, mechanische Beanspruchung, Verschmutzung oder Temperatureinflüsse verändern können. Bereits geringe Maßabweichungen können zu fehlerhaften Messergebnissen führen und die Qualität von Werkstücken beeinträchtigen. Regelmäßige Kalibrierungen ermöglichen es, solche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Zuverlässigkeit der Messungen dauerhaft sicherzustellen.
Darüber hinaus ist die Kalibrierung ein wesentlicher Bestandteil eines wirksamen Qualitätsmanagements. Unternehmen, die nach DIN EN ISO 9001 oder vergleichbaren Qualitätsmanagementnormen arbeiten, müssen sicherstellen, dass ihre eingesetzten Messmittel für den vorgesehenen Verwendungszweck geeignet sind und ihre Messergebnisse auf nationale oder internationale Normale rückführbar sind. Ein Kalibrierschein dokumentiert diese Rückführbarkeit und dient als Nachweis gegenüber Kunden, Auditoren und Zertifizierungsstellen.
Wie erfolgt die Kalibrierung einer Tiefenmessschraube?
Im Rahmen der Kalibrierung werden geprüft:
- Anzeigeabweichung über den gesamten Messbereich
- Messkraft
- Funktion der Spindel
Als Referenz dienen rückführbare Längennormale, beispielsweise Endmaße, Stufenendmaße oder spezielle Kalibriereinrichtungen für Tiefenmessschrauben. Die gemessenen Werte werden mit den Sollmaßen verglichen und in einem Kalibrierschein dokumentiert.
Was ist bei Verlängerungen zu beachten?
Verlängerungen für Tiefenmessschrauben dienen dazu, den Messbereich einer Tiefenmessschraube zu erweitern. Sie ermöglichen präzise Tiefenmessungen auch bei größeren Bohrungen, Nuten oder Vertiefungen, ohne dass die Genauigkeit des Messsystems beeinträchtigt wird.
Da die Verlängerung unmittelbar in die Messkette eingebunden ist, beeinflusst ihre Maßhaltigkeit das gesamte Messergebnis. Deshalb gehören die Verlängerungen mit in die Kalibrierung – wir kalibrieren sie von 100 bis 500 mm als Werks- und als DAkkS-Kalibrierung.
Nach welchen Normen wird eine Tiefenmessschraube kalibriert?
Die Kalibrierung von Tiefenmessschrauben erfolgt nach anerkannten Normen und Richtlinien. Zu den wichtigsten gehören:
- DIN EN ISO 3611: legt die metrologischen und konstruktiven Anforderungen an Mikrometer fest. Sie beschreibt unter anderem zulässige Fehlergrenzen, Anforderungen an die Messflächen sowie die Funktionsprüfung des Messmittels.
- VDI/VDE/DGQ 2618 Blatt 10.5: beschreibt die Kalibrierung von Tiefenmessschrauben und definiert den Ablauf der Kalibrierung, die zu prüfenden Messpunkte sowie die Ermittlung und Dokumentation der Messabweichungen und Messunsicherheiten.
- DIN EN ISO/IEC 17025: legt die Anforderungen an die Kompetenz von Kalibrierlaboratorien fest. Akkreditierte Kalibrierlabore führen Kalibrierungen nach dieser Norm durch und gewährleisten eine metrologische Rückführbarkeit sowie dokumentierte Messunsicherheiten.
Für Tiefenmessschrauben existiert keine eigenständige ISO-Produktnorm, die ihre Kalibrierung speziell regelt. In der Praxis werden die Anforderungen der DIN EN ISO 3611 für Mikrometer herangezogen, soweit sie auf Tiefenmessschrauben anwendbar sind.