Was ist ein Dickentaster?
Dickentaster sind hochpräzise Messgeräte zur Bestimmung der Materialdicke von Werkstücken und Halbzeugen. Sie kommen insbesondere bei der Messung von Blechen, Folien, Kunststoffen, Papier, Textilien, Gummi, Leder sowie anderen flachen oder dünnwandigen Materialien zum Einsatz. Durch ihre einfache Handhabung und hohe Messgenauigkeit sind sie in der Fertigung, Qualitätssicherung, Wareneingangskontrolle und in Prüflaboratorien weit verbreitet.
Je nach Bauart arbeiten Dickentaster mit einer mechanischen Messspindel, einem federbelasteten Messtaster oder einer digitalen Messeinrichtung. Entscheidend für die Messgenauigkeit sind neben der Anzeige insbesondere die Parallelität der Messflächen, die definierte Messkraft sowie die Präzision des Messsystems. Bereits geringfügige Abweichungen dieser Eigenschaften können zu systematischen Messfehlern führen.
Warum müssen Dickentaster kalibriert werden?
Eine regelmäßige Kalibrierung ist ein wesentlicher Bestandteil der Qualitätssicherung. Im täglichen Einsatz können Verschleiß an den Messflächen, Veränderungen der Messkraft, Verschmutzungen, mechanische Beschädigungen oder Alterungsprozesse der Anzeige zu Messabweichungen führen. Da diese Veränderungen häufig schleichend auftreten, bleiben sie ohne Kalibrierung oftmals unentdeckt.
Insbesondere in Bereichen mit hohen Qualitätsanforderungen – beispielsweise im Maschinenbau, der Automobilindustrie, der Medizintechnik, der Luft- und Raumfahrttechnik oder bei Herstellern von Folien und Präzisionsbauteilen – können bereits wenige Mikrometer Messabweichung erhebliche Auswirkungen auf die Produktqualität und die Einhaltung von Fertigungstoleranzen haben.
Darüber hinaus fordern Qualitätsmanagementsysteme nach DIN EN ISO 9001, IATF 16949, ISO 13485 oder AS9100 den Einsatz geeigneter und regelmäßig überwachter Messmittel. Eine dokumentierte Kalibrierung gewährleistet die messtechnische Rückführbarkeit der Messergebnisse und dient als Nachweis gegenüber Kunden, Auditoren und Zertifizierungsstellen.
Wie erfolgt die Kalibrierung eines Dickentasters?
Im Rahmen der Kalibrierung werden verschiedene messtechnische Eigenschaften überprüft. Dazu gehören insbesondere:
- Anzeigeabweichung über den gesamten Messbereich
- Wiederholbarkeit der Messwerte
- Linearität der Anzeige
- Parallelität der Messflächen
- Ebenheit der Messflächen
- Messkraft beziehungsweise Anpresskraft
- Nullpunktgenauigkeit
- Hysterese des Messsystems
- Funktionsfähigkeit der Anzeigeeinheit
- Ermittlung der Messunsicherheit
Zur Überprüfung der Messgenauigkeit werden hochpräzise Endmaße, Einstellmaße oder andere geeignete Kalibriernormale verwendet. Die Messungen erfolgen an mehreren Prüfpunkten innerhalb des gesamten Messbereichs, sodass eine umfassende Beurteilung des Messverhaltens möglich ist.
Der ausgestellte Kalibrierschein dokumentiert sämtliche Messergebnisse, die ermittelte Messunsicherheit sowie die Rückführung auf nationale Normale. Er ermöglicht eine fundierte Beurteilung, ob der Dickentaster die geforderten Genauigkeitsanforderungen erfüllt und weiterhin zuverlässig eingesetzt werden kann.
Nach welchen Normen wird ein Dickentaster kalibriert?
Die Kalibrierung von Dickentastern erfolgt in akkreditierten Kalibrierlaboratorien nach den Anforderungen der DIN EN ISO/IEC 17025, welche die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien sowie die messtechnische Rückführbarkeit der Messergebnisse regelt.
Die Kalibrierung orientiert sich an den anerkannten Verfahren der dimensionalen Messtechnik sowie – abhängig von Bauart und Einsatzbereich – an den einschlägigen DIN-, ISO- sowie VDI/VDE/DGQ-Richtlinien. Dabei werden ausschließlich rückgeführte Normale eingesetzt, deren Kalibrierung auf nationale und internationale Längennormale zurückgeführt werden kann.