Was ist eine Bügelmessschraube?
Bügelmessschrauben gehören zu den präzisesten mechanischen Messmitteln in der industriellen Fertigung und Qualitätssicherung. Sie dienen zur hochgenauen Messung von Außenmaßen, beispielsweise von Wellen, Bolzen oder anderen Werkstücken. Je nach Ausführung ermöglichen sie Messungen mit einer Auflösung von 0,01 mm oder sogar 0,001 mm und sind damit unverzichtbare Prüfmittel in zahlreichen Fertigungsprozessen.
Warum muss eine Bügelmessschraube kalibriert werden?
Damit eine Bügelmessschraube dauerhaft zuverlässige und reproduzierbare Messergebnisse liefert, sollte sie regelmäßig kalibriert werden. Durch den täglichen Einsatz können Verschleiß, mechanische Belastungen, Verschmutzungen oder Temperaturschwankungen die Messgenauigkeit beeinflussen. Bereits geringste Abweichungen können zu fehlerhaften Messergebnissen führen und dadurch Qualitätsprobleme, Ausschuss oder Reklamationen verursachen.
Eine Kalibrierung dient dazu, die tatsächliche Messabweichung der Bügelmessschraube festzustellen und zu dokumentieren. Dabei wird das Messmittel mit rückgeführten Normalen verglichen, deren Genauigkeit auf nationale oder internationale Normale zurückgeführt werden kann. Die Kalibrierung schafft somit Vertrauen in die Messergebnisse und bildet die Grundlage für eine sichere Qualitätssicherung sowie die Einhaltung von Kundenvorgaben und Normanforderungen.
Besonders Unternehmen mit einem Qualitätsmanagementsystem profitieren von einer regelmäßigen Kalibrierung ihrer Messmittel. Sie unterstützt den Nachweis der Messmittelfähigkeit, erhöht die Prozesssicherheit und trägt dazu bei, fehlerhafte Messungen frühzeitig zu erkennen.
Wie läuft die Kalibrierung einer Bügelmessschraube ab?
Die eigentliche Kalibrierung umfasst in der Regel die Prüfung des Nullpunkts sowie die Ermittlung der Messabweichung über den gesamten Messbereich mithilfe rückgeführter Endmaße. Geprüft werden dabei:
- Nullpunkt: Ausgangspunkt der Messung.
- Messabweichung: über den gesamten Messbereich, mit rückgeführten Endmaßen.
- Ebenheit und Parallelität: der beiden Messflächen zueinander.
- Leichtgängigkeit der Spindel: gleichmäßiger Lauf ohne Hemmung.
- Funktion der Ratsche: reproduzierbarer Messdruck.
- Feststelleinrichtung und Zustand: Klemmung und allgemeiner Zustand des Messmittels.
Welche Bauformen von Bügelmessschrauben gibt es?
Bügelmessschrauben sind für unterschiedlichste Messaufgaben erhältlich. Neben der klassischen Ausführung existieren zahlreiche Sonderbauformen, die speziell für bestimmte Werkstücke oder Messaufgaben entwickelt wurden.
- Standard-Bügelmessschraube: die am häufigsten verwendete Bauform. Sie besitzt zwei plane, gehärtete Messflächen und eignet sich zur hochgenauen Messung von Außenmaßen wie Wellen, Bolzen oder Werkstückdicken.
- Mit auswechselbaren Einsätzen: austauschbare Messflächen, wodurch unterschiedliche Messaufgaben mit einem einzigen Messgerät durchgeführt werden können. Verschlissene Messflächen lassen sich zudem einfach ersetzen.
- Für Rohrwandmessungen: die Messflächen sind speziell geformt, um die Wanddicke von Rohren oder Hohlkörpern präzise bestimmen zu können.
- Mit Tellermessflächen: die vergrößerten, scheibenförmigen Messflächen eignen sich besonders zum Messen weicher Werkstoffe, Folien, Papier, Kunststoffe oder Textilien, da sie den Messdruck auf eine größere Fläche verteilen.
- Mit Kugelmessflächen: eine oder beide Messflächen sind kugelförmig ausgeführt. Dadurch können gekrümmte Oberflächen, Rohrwandungen oder Werkstücke mit unebenen Messstellen zuverlässig gemessen werden.
- Mit Spitzenmessflächen: spitz zulaufende Messflächen, eingesetzt beispielsweise zum Messen des Kerndurchmessers von Gewinden oder kleiner Einstiche.
- Für Zahnweitenmessungen: spezielle Messflächen ermöglichen die Messung der Zahnweite oder Zahndicke an Zahnrädern und Verzahnungen.
- Gewindebügelmessschraube: wird verwendet, um die Abmessungen von Gewinden zu messen. Im Gegensatz zu einer normalen Bügelmessschraube besitzt sie spezielle Messeinsätze, die zur Form des Gewindes passen.
Nach welchen Normen wird eine Bügelmessschraube kalibriert?
Die Kalibrierung von Bügelmessschrauben erfolgt nach anerkannten Normen und Richtlinien. Zu den wichtigsten gehören:
- DIN EN ISO 3611: legt die metrologischen und konstruktiven Anforderungen an Außenmessschrauben (Bügelmessschrauben) fest. Sie beschreibt unter anderem zulässige Fehlergrenzen, Anforderungen an die Messflächen sowie die Funktionsprüfung des Messmittels.
- VDI/VDE/DGQ 2618 Blatt 10.1: beschreibt die Kalibrierung von Außenmessschrauben und definiert den Ablauf der Kalibrierung, die zu prüfenden Messpunkte sowie die Ermittlung und Dokumentation der Messabweichungen und Messunsicherheiten.
- DIN EN ISO/IEC 17025: legt die Anforderungen an die Kompetenz von Kalibrierlaboratorien fest. Akkreditierte Kalibrierlabore führen Kalibrierungen nach dieser Norm durch und gewährleisten eine metrologische Rückführbarkeit sowie dokumentierte Messunsicherheiten.
Fazit
Die regelmäßige Kalibrierung von Bügelmessschrauben ist ein wesentlicher Bestandteil einer zuverlässigen Messtechnik. Sie gewährleistet genaue und nachvollziehbare Messergebnisse, minimiert das Risiko von Messfehlern und unterstützt die Einhaltung von Qualitätsanforderungen. Durch die Kalibrierung nach anerkannten Normen und Richtlinien wie der DIN EN ISO 3611, der VDI/VDE/DGQ 2618 Blatt 10.1 sowie durch Kalibrierungen in akkreditierten Laboratorien nach DIN EN ISO/IEC 17025 wird sichergestellt, dass die Messergebnisse international vergleichbar und metrologisch rückführbar sind.